Bericht der Basellandschaftlichen Zeitung vom 30.4.2002

«Jahrhundertchance» für Basel

DB-Güterbahnhofareal / Der zweite städtebauliche Wettbewerb für 19 Hektaren frei werdendes Areal in Kleinbasel geht in die letzte Phase. Die Jury lässt bis Juli zwei Wettbewerbsbeiträge überarbeiten.

BASEL. Von einem «Meilenstein» sprach gestern Baudirektorin Barbara Schneider und meinte damit die Präsentation der «Wettbewerbsergebnisse DB-Güterbahnhofareal». Es handelt sich dabei um die Resultate des zweiten städtebaulichen Ideenwettbewerbs zur Neunutzung des fraglichen Areals, der erste war Ende 1996/97 ausgerichtet worden.

Aus den Kontakten mit der Quartierbevölkerung hat sich in der Folge eine entscheidende Vorgabe für den zweiten Wettbewerb herauskristallisiert: Von dem 19 Hektaren grossen Areal, das die Deutsche Bahn (DB) nicht mehr für Bahnzwecke benötigt, sollten acht Hektaren als Freifläche ausgeschieden werden.

Es handle sich um eine «Jahrhundertchance», die sich Basel für die Bebauung dieses «sehr grossen» Areals biete, freute sich die Baudirektorin. Auf dem Gebiet zwischen Riehenring, Erlenstrasse, Schwarzwaldallee und Nordtangente sollen nebst der grosszügigen Freiflächen (mit einem multifunktionalen Platz) 700 Wohnungen sowie Gewerbe utid Büros für 1000 Arbeitsplätze auf mehrere Bauten verteilt werden.

Für die Erarbeitung ihrer Planungsprojekte galt es für Wettbewerbsteilnehmer im weiteren zu berücksichtigen, dass auf dem Areal eine Schule und ein sogenanntes «Urban Entertainment Center» (UEC), oder schlicht Freizeitzentrum, Platz finden müssen. Für einen 400 Meter langen und 35 Meter breiten LKW-Terminal für die Messe Basel sollte ebenfalls Platz freigehalten werden. Letztlich hatten die beteiligten Teams ein Etappierungskonzept vorzulegen, weil die Bebauung nicht in einem Zug erfolgen kann. Die DB haben seinerzeit einzelne Bereiche ihres Areals im Baurecht abgegeben oder längerfristig vermietet.

«Überzeugende Palette von Lösungsvorschlägen»
Von den 19 ausgezeichneten Teams des ersten Wettbewerbs zogen sich drei zurück, sechs neue wurden mit zur Teilnahme eingeladen. Die aus Vertretern des Kantons Basel-Stadt, Grundeigentümern (DB Immobiliengesellschaft mbH und Vivico Real Estate) sowie Experten zusammengesetzte Jury tagte unter dem Vorsitz von alt Kantongbaumeister Carl Fingerhuth Mitte April zwei Tage. Laut dem ebenfalls der Jury angehörenden Kantonsbaumeister Fritz Schumacher hat das Preisgericht festgestellt, dass «eine überzeugende Palette von Lösungsvorschlägen auf hohem Niveau erarbeitet wurde». Sieben Arbeiten wurden prämiert, wobei eine Gesamtpreissumme von 200‘000 Franken zur Verfügung stand.

Erster Preisträger ist das Team Ernst & Niklaus, Architekten ETH/SIA, Aarau, das bereits beim ersten Wettbewerb mit der «Silbermedaille» hervorragend abgeschnitten hatte. Auf den zweiten Platz kam Architekt Adolf Krischanitz aus Wien. Beide Projekte empfiehlt die Jury zur parallelen Weiterbearbeitung.

Beim erstplatzierten Projekt wird laut Jury-Bericht das Areal durch vier grossmassstäbliche, zusammenhängende Bebauungen aufgegliedert. Diese wiederum bilden vier miteinander vernetzte öffentliche Freiräume unterschiedlicher Grösse und mit differenzierten Identitäten. Zum Projekt auf dem zweiten Platz notiert die Jury u.a.: «Soll sich ein neues Bauland möglichst reibungslos in die Stadt integrieren, ist es naheliegend, eine Grundstruktur, einen Rhythmus einzuführen, der sich an den angrenzenden Stadtbildern orientiert. Auf diese stabile Basis baut dieser Entwurf.»

Beim ersten Projekt sollen der Strassenraum entlang des Riehenrings und die Erschliessung noch einmal überdacht werden, beim zweiten u.a. die Dichte, Erschliessung und Hoftypologie sowie die Formulierung des Verkehrsnetzes.

Die überarbeiteten Vorschläge werden bereits im Juli noch einmal bewertet. Die Planauflage für das definitive Siegerprojekt ist für Frühjahr 2003 vorgesehen, worauf der Ratschlag über die Einzonung des Areals zu Handen des Grossen Rates erarbeitet werden könnte. Laut Baudepartement dürfte «die Baureife frühestens gegen Ende 2004 erreicht werden».

Pierre A. Minck