Presstext
Abgegeben an der Medienorientierung vom 21.6.2000

Erstes Leben für ein ungeborenes Stadtquartier

Gleichzeitig mit der ART 31 startet im Herzen des DB-Güterbahnhof in Basel das Zwischennutzungsprojekt nt/Areal des Vereins k.e.i.m. mit dem neuen Restaurant Erlkönig in der ehemaligen Betriebskantine sowie mit diversen Projekten zu Kultur und Stadtentwicklung. Schon zu Beginn warten die Betreiber mit einem internationalen Programm auf.

An Erlenstrasse und Riehenring, wo die Nordtangente durch ein skurriles Rampenbauwerk im Boden verschwindet, und der Schwarzwaldallee liegt das 18 ha grosse Güterbahnhofareal der Deutschen Bahn AG. Der Kanton Basel-Stadt plant hier zusammen mit der Eigentümerin ein neues Stadtquartier. In Zukunft sollen Flächen für Wohnungen und Gewerbe sowie ein Grünpark entstehen. Doch die offizielle Planung beansprucht Zeit – viel Zeit. In der Zwischen-Zeit aber bleibt das Areal eine Brache ohne Nutzen für die Stadt und die angrenzenden Quartiere. Gerade in dieser Zwischenzeit liegt eine Chance, das Areal so zu bespielen, dass die erwünschte Entwicklung vom anonymen Güterumschlagplatz zu einem lebendigen Teil der Stadt schon heute anfängt. Nicht in den gebauten Nutzungen des in vielleicht zwanzig Jahren fertiggestellten Quartiers, sondern in der unmittelbaren und aktiven Nutzung der Flächen als städtischer Raum liegt eine Chance für eine prozesshafte Transformation des Areals zu einem lebendigen Stück Stadt.

Mit dem Projekt nt/Areal gibt die im Verein k.e.i.m. zusammengeschlossene Gruppe von Kulturschaffenden aus den Bereichen Kunst, Gastgewerbe, Architektur und Stadtentwicklung dem sterbenden Güterbahnhof erste urbane Impulse. Zu diesem Zweck ist es dem Verein in langwierigen Verhandlungen geglückt, einen Teil eines kleinen Ensembles inmitten der Schienenlandschaft zu mieten – vorerst befristet bis Ende 2001. Im Erdgeschoss der ehemaligen Betriebskantine setzt das Restaurant Erlkönig mit seinem stilvollen Speisesaal neue Akzente in der Basler Gastrosphäre. Die Lounge ihrerseits liefert einen sinnlichen Rahmen und eine persönliche Ambience, für spartenübergreifende Events in Bereichen, zeitgenössische Musik, Film und Performance. Im benachbarten Backsteingebäude entstehen Labo und Galerie, wo kreative Menschen eingeladen sind, in einem interdisziplinären Rahmen innovative kulturelle und urbanistische Ideen für das Areal zu entwickeln, umzusetzen und zur Diskussion zu stellen. Ein erstes Labo-Projekt will einen öffentlichen Pfad von der Erlenstrasse zu den beiden Gebäuden realisieren, einerseits als wahrnehmbares, artefaktisches Zeichen des Anfangs, andererseits, um dem Publikum einen sicheren Zugang zu ermöglichen: ähnlich einem Gebirgspfad setzt ein flexibles System von Landmarks, Wegweisern, Markierungen, Tafeln, Licht- und Klanginstallationen die notwendigen Akzente.

Werden und Vergehen liegt im Wesen einer jeden Entwicklung. So liegt auch der Kern des Projekts nt/Areal beim Thema Zeit. Im Bespielen von Sequenzen durch Menschen, aber auch im bewussten Thematisieren von Vergänglichkeit soll sich der prozesshafte Charakter der Transformation des heute anonymen Ortes zur Stadt manifestieren. So ist allen Projekten das Label «nt» gemeinsam: «non territorial» bedeutet den Verzicht auf eine dauerhafte Bestimmunung von Flächen. Im Mittelpunkt steht der Mensch: handeln ist flexibler als bauen.

Das kulturelle Einstiegsprogramm während der ART 31 konzentriert sich auf Rauminstallationen und Parties, realisiert durch eingeladene Galerien aus New York und Berlin, sowie durch das Migros Museum für Gegenwartskunst Zürich.

Basel, 21.6.2000, Verein k.e.i.m.