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Quartierlabor

Donnerstag 19.02.2009

Artikel im Surprise Nr.194

Kultur

Quartierlabor
Gemeinsam kreativ

Im Kleinbasler Quartierlabor Erlenmatt treibt das künstlerische Schaffen
vielfältige Blüten. Die Atmosphäre eines Kulturorts auf Zeit lässt viel Raum
für das Entdecken der eigenen Interessen und Fähigkeiten.

 

VON MICHELE FALLER

 

«Hier sollen sich die Leute wohl fühlen - wie daheim!» Dominik Ziliotis

von der Künstlergruppe «AIRTRAIN» schmunzelt beinahe überrascht

ob der eigenen Beschreibung des Quartierlabors, in dem seit gut

einem Jahr auf allen Gebieten der Kreativität geforscht wird. Das von

AIRTRAIN betreute Quartierlabor ist nur eines von unzähligen Projekten

auf dem 18 Hektaren grossen Erlenmattgelände - dem ehemaligen

Güterbahnhofareal der Deutschen Bahn im Kleinbasel - wo im Sinne

einer Zwischennutzung seit rund zehn Jahren zahlreiche Freiflächen

erschlossen worden sind.

Leuchtend rot präsentiert sich das flache Gebäude mitten in der

Industrielandschaft. Hier drinnen befindet sich das Quartierlabor: ein

grosser heller Raum mit einem kleinen Trampolin in der Mitte, Leder·

matten in der einen Ecke und einem Regal voller Spielsachen und

Schachteln. Auf der anderen Seite des Raums sticht eine beeindruckend

ausgestattete Bühne ins Auge. Gegenüber dem grossen Teppich mit

Schlagzeug, Keyboard und verschiedenen Trommeln steht eine Art

Holzbaracke, die sich als veritables Tonstudio entpuppt. «Das haben

wir bereits seit zehn Jahren», erklärt Ziliotis stolz.

Im Gegensatz zu einem Quartiertreffpunkt, wo das Sich-wohl-fühlen

ja ebenfalls möglich ist, wird im Quartierlabor aktiv etwas geschaffen.

Es versteht sich nicht als Veranstaltungsort mit fixem Programm. Sondern

als gemeinschaftliche Kunstplattform, die allen interessierten

Personen (auch von ausserhalb des Quartiers) offensteht, die etwas

vermitteln, lernen oder gemeinsam gestalten möchten. Das heisst: Die

Besucher machen das Programm selber, demnächst wird das Impro

Singen starten. Bereits etabliert ist «(Art Works», Malen und Gestalten

unter der Leitung einer Kunsttherapeutin. Sonntags stehen kurdische

Musik und Tanz auf dem Programm, wo sich mittlerweile auch NichtKurden

einen Platz hinter der Trommel erobert haben. Ebenfalls Tradition

hat der Dubcircus in all seinen Spielarten: die Spezialität

der Künstlergruppe «airline» - aus welcher AJRTRAIN hervorgegangen

ist - könnte als niederschwellige Jamsession umschrieben werden.

«Wir sind sehr zufrieden mit der Zusammenarbeit», sagt Andrea

Blattner, Geschäftsleiterin des Vereins «V.i.P.», der AIRTRAIN sein

Quartierlabor anvertraut hat. «(Vi.P.» - die Vereinigung interessierter

Personen - engagiert sich seit 2003 in der Zwischennutzung Erlenmatt.

Im Gegensatz zum Verein k.e.i.m, der sich seit Mitte 2000 - damals erteilte

der Kanton die definitive Bewilligung zur Bewirtschaftung des

Areals - hauptsächlich im Gastrobereich betätigt, macht ((V.i.P.» vor allem

Quartierarbeit. Der Verein koordiniert die verschiedenen Projekte

SURPRISE 194;09

Experiment Musik: Der «Dubcircus.. als Manege für niederschwellige Jazzsessions

auf den Freiflächen; vom Kinderprojekt und der Nachwuchsbühne

über Trendsportarten bis zum Sonntagsmarkt (und eben dem Quartierlabor.

«Wir möchten nicht unterhalten», erklärt Blattner, ({sondern Bedürfnisse

aufspüren.»)

Das Konzept der «unverbindlichen Verbindlichkeit», wie der Künstler

Ziliotis es nennt, scheint zu funktionieren. Es gebe weder Verträge

noch Mitgliederbeiträge. und (trotzdem regle sich das Finanzielle problemlos

mit individuellen Spenden. Wer etwas zum Programm des

Quartierlabors beitragen möchte, kommt am ersten Samstagabend des

Monats vorbei und stellt seine Idee vor.

In wenigen Monaten werden die Wohnungen des in der Nachbarschaft

neu entstandenen Erlenmattquartiers bezogen. Das Quartierlabor

und alle anderen Projekte von (~V.i.P.» sind davon aber nicht betroffen

und können weiterhin wirken. «Wir wollen Brücken bauen und

auch bereits bestehende Angebote wie das Quartiermittagessen ins

neue Wohnviertel bringen», erklärt Blattner. So ein nagelneues Quartier

müsse schliesslich erst beleb werden! Und daran wird gearbeitet. Auch

im Labor gleich nebenan.

Download: suprise09_2.pdf
Link: www.surprise-ch.org/
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