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KNARF RELLöM with the Shi Sha Schellöm

Donnerstag 08.04.2004

"Einbildung ist auch ne Bildung" das bislang tanzbarste Knarf Rellöm-Album entstanden, nicht zuletzt dank DJ Patex am Bass und mit Gesang. Mehr pumpen

SPEX-Kritik zu “Einbildung ist auch ne Bildung” 01/04 Eine funky Koka-Sportzigarette. Knarf Rellöm, der Kosmopolit des musikalischen Häuserkampfes, ex-Züricher/Hamburger Gassenhauerlieferant und unermüdliches Chamäleon in Sachen Namensfindung und Einfachmalmachen, veröffentlicht ein drittes Album, und um es griffig zu machen (?): Es klingt wie ein Surrogat aus den Goldenen Zitronen und International Pony mit der Leichtigkeit von Fischmob und ... wenig Mitteln außer Enthusiasmus, Selbstbewusstsein und musikalischem und getextetem Witz, der wissend, weise und wirklich ... witzig ist. Außer? Nichts außer. Ein (Underground-)Hit also! Zusammen mit seiner Liebsten, DJ Patex, sowie Viktor Marek und Chrigl Farmer entstand eine Platte, die ein geschlossenes Offenes Konzept ist. Ein Song folgt der inhaltlichen Vorgabe des letzten Textversatzstücks, »echte Beats« folgen auf Minimal-Mouth-Sounds und dringlich nach »echter Hit« schreiende Momente werden immer wieder mit einem Schuss artifizieller Schroffheit gekonnt ausgekontert. Peng. Mal rockt's – »ihr wollt Kuschelsex, fickt euch!« – mal wird die Dicke Drum, 'tschuldigung, die Bass Drum mit wummbummsender Tanzmusik ausgepackt, der Humor aber nie vergessen, dann gibt Elvis die Systemkritik und der Mambo wird dein bester Freund, wenn »How I Wrote Mark E. Smith« und »Party People In The House« erst mal abgefrühstückt sind. Da legt jemand genau auf das, was der Titel der Platte ist, absolut keinen Wert. Warum auch? Für das Anliegen von KRWTSSR (Abkürzung muss sein) sprechen Songs, Versatzstücke, Kalauer, Ansagen, Einweisungen, jeder einzelne Satz auf diesem Album: verschmitzt grinsend und todernst zugleich. Der vorab via Rewika Records ausgekoppelte Hit »Little Big City« (in Verbindung mit Saalschutz, deren Platte ebenfalls bald, Mitte Februar, erscheint) ist z.B. die Vocoder-Hymne einer ausgelassenen Squad-Party, bei der die meisten der im Rausch taumelnden Menschen gar nicht bemerkt haben, was die Typinnen da auf der Bühne überhaupt von einem wollen. Was denn? Sie zum Tanzen bringen, zum Nachdenken bringen, zum Grübeln ob des Nachdenkens bringen, zum Schmunzeln bringen, die Stirn zum Runzeln bringen ... ja ist denn das nicht längst genug? Ist es. Mehr als genug. Einen großen Dank an die Meister der Wiederaufbereitung alter Gefühle kombiniert mit der dringenden Aufforderung, auch im Heute so kritisch zu sein, wie die Alten immer behaupten, dass sie es gewesen sind. Überhaupt: Die Reisereportage-Namedropping-Skurrilität mit dem verdammt geschickten Lips Inc./»Funky Town«-Zitat ... sehr schön. Und dann? Kommt ein Tony Curtis-Witz gefolgt von Golden Boys »Little Big City«-Version (noch mal) am Ende der Platte, dem Song über Zürich, der auch von deinem kleinen Nest handelt: Liliput, Lüneburg, Limburg, Aschaffenburg, Hamburg, Leipzig, Köln und Berlin. Alles dieselbe unterhaltsame, heiße Scheiße, solange nur die ShiShaShellöms da sind. Uwe Viehmann

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Link: www.whatssofunnyabout.de
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