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THE UPLIFT POP UP PARTY PLAN

Freitag 14.05.2004

Dj Alex Attias (visions,UK) Support Djs: Neevo, Gent, Stiebeltron Visuals: Layer (discofunk soul deephouse afrobeat techno)

Im Zuge der NuJazz-Manie und den diversen Versuchen, das schier undurchdringliche Dickicht von befreundeten Produzenten, Labels und DJs zu durchdringen, konnte man in letzter Zeit häufig über Zusammenhänge, Zuordnungsversuche und richtungsweisende Trends lesen, ohne jedoch anschließend schlauer zu sein, als zuvor. Selbst Trendwächter Peterson konnte in einem Spex-Interview nicht zur vollen Befriedigung des Lesers erklären, was denn nun eigentlich das besondere an diesem NuJazz ist. Vielleicht aber ist es auch ganz gut, wenn solche Kategorisierungsversuche im Sande verlaufen, denn ist das oberste Gebot solcher Aktivisten wie I.G. Culture, Modajii, Phil Asher oder Dego nicht die Freiheit, das zu tun und zu spielen, wonach ihnen gerade der Sinn steht? Muß der Versuch, diese neuen Produktionen in eine Schublade zu stecken, nicht zwangsläufig zur Ausgrenzung anderer Produktionen und somit zur Zerstörung der Grundlage dieser führen? Einen Mann wie Alex Attias, der unter drei verschiedenen Pseudonymen und in Zusammenarbeit mit noch mehr Freunden produziert, einem einzigen Stil zuzuschreiben, grenzt an Unmöglichkeit, zumal der gebürtige Schweizer bereits vor 14 Jahren seine musikalische Karriere als DJ begann und seitdem nicht nur als DJ, sondern auch mit diversen Projekten Erfolg hatte. Das bekannteste dürfte wohl das Bel-Air-Project sein, das er zusammen mit einem Lausanner Engineer bildete und dessen 97er Maxi „Jazz with Altitude“ zu einem kleinen Hit avancierte. Zwei Platten und zwei Jahre später trennte man sich wieder und Alex zog nach London, um seine Vorstellung von Musik umsetzen zu können. aA: Ich wollte mehr experimentelle Musik machen und vor allem mehr in Richtung Soundtrack gehen. Ich war es leid, irgendwelchen Grenzen zu unterliegen. Ich liebe Musik und will nicht in einer bestimmten Stilrichtung feststecken. Drei Seelen herrschen, ach in meiner Brust = MUSTANG = BEATLESS = CATALYST ouk: Wo siehst Du denn deine musikalischen Wurzeln? aA: Mmmmh, schwierig zu sagen. Ich mag Jazz, ich mag Latin, ich mag aber auch Filmmusik. Meine Liebe zur Musik ist nicht auf einen einzigen Stil beschränkt. Natürlich habe ich diese unterschiedlichen Projekte am laufen, für die ich dann in bestimmte Richtungen gehe. Mit Mustang z.B. versuche ich experimentelle, jazzige Filmmusik zu produzieren, denn einer meiner Wünsche ist es, einmal einen kompletten Soundtrack zu einem Film zu schreiben. Meine anderen Projekte haben dagegen mehr Groove und sind teilweise auch auf den Club ausgerichtet. Als ich noch jünger war, dachte ich immer: „Los, wir müssen jetzt House machen“, aber mittlerweile mache ich eben das, wonach ich mich gerade fühle. Beim Auflegen ist es genau das selbe. Ich kann nicht den ganz Abend lang nur einen Stil auflegen, genausowenig wie ich einen ganzen Abend lang nur Jazz hören möchte. Da muß einfach zwischendurch was passieren und Abwechslung drin sein. Als ich noch in der Schweiz gelebt habe, hatte ich einen Abend in einem sehr sehr kleinen Club und wir haben alles mögliche gespielt. Und wenn jemand zu uns kam und etwas von Prince hören wollte, dann haben wir ein Stück von Prince gespielt - weil wir es mochten. ouk: Einen Mustang-Track aufzulegen ist allerdings schwierig. aA: Ja, auf jeden Fall. Ich spiele meinen eigenen Stücke auch nicht. Mustang-Tracks sind auch nicht zum Tanzen gedacht, ich verfolge dabei nicht die geringste Absicht, die Leute zum Tanzen zu bringen. Es gibt allerdings einige DJs, die Mustang-Tracks spielen - kaum zu glauben, aber wahr. So unglaublich dann doch nicht. Zieht man einmal das größere Umfeld in Betracht, stößt man auf ein eng verflochtenes Netzwerk aus Freundschaften und Bekanntschaften, das sich keineswegs nur auf die Insel beschränkt und ständig am wachsen ist, denn Ausgrenzungen gibt es keine. Der Vorteil liegt auf der Hand: anstatt viel Geld für Remixe von fremden Künstlern ausgeben zu müssen, remixt man sich lieber untereinander, und je größer das Netzwerk wird, desto internationaler und abwechslungsreicher werden die Remixe. Dem Hörer erschließt sich eine Fülle von Musik, nicht nur in Form von Produktionen, sondern auch in den Clubs, denn sich gegenseitig zum Auflegen einzuladen, ist genauso selbstverständlich, wie das Anfragen eines Remixes und nach dem Bekanntheitsgrad wird erst gar nicht gefragt ... aA: Was meinst Du, warum Rainer Trüby so oft gebucht wird? Natürlich auch, weil er ein exzellenter DJ ist, aber vor allem doch, weil er gute Platten produziert. Für einen DJ ist es heutzutage verdammt schwer gebucht zu werden, wenn er nicht gleichzeitig auch produziert. Als ich vor zehn Jahren angefangen habe aufzulegen, war das kein Thema. Ich habe an soviel verschiedenen Orten aufgelegt und niemand störte es, daß ich keine Platten veröffentlicht habe. Jetzt wollen die Leute unbedingt einen Anhaltspunkt haben, woher der DJ kommt und auf welchem Label er produziert. Dabei kommt es doch vor allem darauf an, was und wie gut der DJ auflegt. ouk: Würdest Du dich selbst als Musiker bezeichnen? aA: Nein. Ich bin ein Programmierer. ouk: Spielst Du denn ein Instrument? aA: Nein auch nicht. Alles was ich spielen kann ist mein Sampler - das „neue“ Schlagzeug wenn Du so willst. ouk: Aber Du arbeitest immer mehr mit richtigen Musikern zusammen. aA: Ja, richtig. In London gibt es sehr viele gute Musiker, die nichts zu tun haben und ich kann meine Fähigkeiten eben nur in Sachen Beats schleifen. Wenn ich also mit anderen Musikern zusammenarbeiten kann, können wir unsere Talente verbinden. ouk: Ist der Sound, den Leute wie I.G. Culture, Modajii oder eben Du machen, denn wirklich „One Step Ahead“? aA: Oh, das ist nicht so einfach zu beantworten. Man könnte Ja sagen, man könnte Nein sagen. Um ehrlich zu sein, ich war stets der Meinung, daß die Musik, die wir machen, von den Leuten erst zwei Jahre später verstanden wird. Vielleicht sind wir Avantgarde, vielleicht auch nicht. Man muß einfach bedenken, daß der Durchschnittshörer gerne einfache Sachen hört, in die er leicht hineinfinden kann. Für so jemanden ist unsere Musik ein kleiner Schock, weil sie so kompliziert ist. Andererseits ist die meiste Musik heutzutage wie ein Produkt, wie Milch im Supermarkt. Die Stücke unterliegen einer bestimmten Formel und hören sich alle gleich an. Die Leute jedoch hören sowas Tag und Nacht im Radio und im Fernsehen und wenn sie dann eine I.G. Culture-Platte hören, klingt das für sie äußerst fremd und beschwerlich. Aber ich habe die Hoffnung, daß wir dies langsam umkehren können und gut produzierte Musik wieder mehr Stellenwert bekommt. Auf jeden Fall ist es sehr schwierig zu sagen, wir wären einen Schritt weiter als andere, schließlich machen wir alle diese Art Musik schon seit langer Zeit. Im Moment erhalten wir eben mehr Beachtung. ouk: Mancher sagt ja, daß dieses ganze NuJazz-Ding von Kenny Dope und Little Louie losgetreten wurde, als sie ihr NuYorican-Soul-Album rausbrachten. aA: Da stimme ich nicht zu. Die beiden haben sehr gute Arbeit geleistet und das NuYorican-Soul-Album ist auch eine sehr schöne Platte, aber es handelt sich lediglich um Cover-Versionen. Sehr gute Cover-Versionen, aber sie hatten ja auch das Geld zur Verfügung. Würde man jemandem wie Phil Asher oder Modajii genauso viel Geld geben, würden sie etwas viel Gefühlvolleres und Aufwendigeres produzieren. Klar, der Nervous Track hat viele beinflußt und es ist ja auch ein verdammt gutes Stück. Ich denke was ihnen vor allem gelang, war die Köpfe der House-Anhänger zu öffnen und deshalb war NuYorican-Soul auch ein gutes Album, aber Kenny und Louie sind nicht diejenigen, die ein Risiko eingehen. ouk: Ist der Name „NuJazz“ überhaupt geignet? aA: Gute Frage. In Japan nennen sie es „Broken Beats“. Aber für mich kommt Musik nicht aus England oder Japan oder Deutschland. Für mich ist Musik nicht an Länder gekoppelt. Ich mag es auch nicht, wenn man sagt, ich würde zur „West London Posse“ gehören. Ich will dieses Label nicht, denn ich hasse Labels, andererseits weiß ich, daß viele Leute ein Label oder einen Begriff brauchen, um so die Musik begreifen zu können. Aber wenn wir es jetzt NuJazz nennen, dann müssen wir es in zwei Jahren Ol(d)Jazz nennen. Ich würde es einfach „Fusion“ nennen. ouk: Wie sieht Dein Traum-Club-Abend aus? aA: Die Leute würden einfach zu allem tanzen. Ich würde Songs wie “Papa was a rolling stone” oder einen Modajii-Track mitten drin spielen und die Leute würden darauf tanzen, So muß ich sie immer am Anfang oder gegen Ende spielen, dabie gibt es soviele Sachen, die ich gerne mitten drin spielen würde. Die Musik steht also im Vordergrund, alles andere ist zweitrangig und würde nur von der Musik ablenken. Selbst die Covergestaltung spielt kaum eine Rolle und dient mehr dem Ausleben eigener Kreativität. So ist die aktuelle Mustang-Maxi auf Alex’ eigenem Label Visions in eine viel zu große Papphülle gepackt, denn alle weiteren Maxis wird es nur mit Innenhülle zu kaufen geben und können dann nachträglich in die Papphülle eingeschoben werden. Ein Konzept, das prompt Nachahmung fand ... aA: Ich hatte mir einfach ein kleines Konzept einfallen lassen, aber letztendlich ist für mich nur die Musik wichtig. Wenn den Leuten das Cover gefällt - schön. Aber es soll ihnen ja vor allem die Musik gefallen. ouk: Wusstes Du, daß infracom! genau das selbe Konzept mit dem neuen Kosma-Album verfolgt? aA: Oh, jetzt bin ich überrascht ... wow. Scheint in der Tat ein gutes Konzept gewesen zu sein. Diskographie 1995: Compilation VIBRATIONS1 (Delabel) - Compilation VIBRATIONS 2 (Delabel) - Duval UNA VEZ (Five Star) 1996: Compilation VIBRATIONS 3 (Delabel) - Bel-Air Project MAGIK (Cannonball) 1998: Mustang STARWATCHER (Mind Horizon) - Beatless LATINAIRE (Ubiquity) - Mustang PURPLE MOON (2000 Black) Beatless VERTIGO (Compost) - Mustang VERONA (Archive) 1999: Catalyst MAIDA VOYAGE (Future Talk) - Mustang OBSESSION (Crammed) - River Plate GILBERTO (Yellow)

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