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nt/Areal ist fünf Jahre alt

Dienstag 21.06.2005

Vor 5 Jahren hat der Verein keim das nt*/Areal gestartet. Nun wünschen wir uns eine formelle Einbindung in die Entwicklung der Erlenmatt.

Mediencommuniqué zum 5. Geburtsag

Am 21. Juni 2000 hat der Verein k.e.i.m. das Projekt nt*/Areal gestartet. Sein Ziel, mit Zwischennutzung den Standort DB-Areal (heute Erlenmatt) aufzuwerten, scheint geglückt. Nach 5 Jahren Pioniertätigkeit wünscht k.e.i.m. nun eine formelle Einbindung in die Entwicklung der Erlenmatt.

Turbulenten Start gut verkraftet
Eröffnet wurde nt*/Areal und damit das Restaurant Erlkönig samt Lounge am 21.6.2000 zur Vernissage der Kunstmesse Art31. Noch tags zuvor war ungewiss, ob die provisorische Bewilligung rechtzeitig kommen würde; sie kam - während der Pressekonferenz! Ein internationales Publikum überrannte das Lokal am ersten Abend, Vodka & Co. waren bereits um Mitternacht ausgegangen, doch ein Kurier klapperte befreundete Clubs ab und sorgte für Nachschub. Ein verstopfter Abfluss bescherte dem Service-Personal hinter der Bar ein unfreiwilliges Fussbad. Aufatmen war erst möglich, als drei Wochen später die definitive Bewilligung eintraf.

Seither hat sich der Betrieb von Erlkönig und Lounge konsolidiert und etabliert. Die Küche wird weit über die Region hinaus gelobt, und mit den bisher gut 700 Veranstaltungen ist der Ort auch zu einem festen Wert in den Agenden der Nachtschwärmer geworden. Notabene ging all dies ohne breitschultrige Security über die Bühne!

Das Wagenmeistergebäude - in den ersten vier Jahren als Forschungslabor für Kunst und Stadtentwicklung genutzt - geht nun ebenfalls seinen eigenständigen Weg.

Zwischennutzung im Dienst der Stadt
Hunderte von Medienberichten in Tageszeitungen, Magazinen und Fachzeitschriften belegen das erfolgreiche Schaffen des Vereins k.e.i.m. und der zugehörigen Betriebe. Jedoch beschränkt sich die öffentliche Wahrnehmung meist auf Groove und Gastro, weniger auf das Moment der Stadtentwicklung, welches der Verein k.e.i.m. mit nt*/Areal leistet.

Anders in der Fachwelt, wo das Projekt den Status «Best Practice» geniesst. Dutzende von Führungen für Delegationen aus dem In- und Ausland (D, NL, I) haben stattgefunden, ebenso eine Projektvorstellung in Berlin, ein Beratungsauftrag für die DEZA in Belgrad, und Ende Juni folgt die Mitwirkung bei einem Workshop in Linz (A) auf Einladung.

Das Projekt nt*/Areal hat den früheren Unort in das Bewusstsein der Leute gebracht, hat ihm einen Namen mit positiver Konnotation gegeben, hat der Bevölkerung Zugang zu einem Freiraum geschaffen und einen attraktiven Durchgang zum Erholungsgebiet Lange Erlen. Profitiert davon hat die Eigentümerin Vivico, aber auch Kanton und Stadt Basel. Bedingt durch die beschränkten räumlichen Möglichkeiten konnten wir jedoch nur ein begrenztes Publikum ansprechen, nicht jedoch die breite Öffentlichkeit. Es fehlen Angebote für Kinder und Jugendliche, für ältere Menschen, für Migrant/innen etc. Zu diesem Zweck war vorgesehen, in den grossen Umschlagshallen und im Verwaltungsgebäude weitere Zwischennutzungen zu initiieren, doch die Messe CH mit der Hall of Universe und die Minerva mit ihrer International School bremsten solche Ambitionen kurzerhand - und damit auch eine Intensivierung der früh- und rechtzeitigen Urbanisierung. Erst mit den Aktivitäten des uns nahestehenden Vereins V.I.P. auf den Freiflächen entlang des Riehenrings seit ca. einem Jahr erfuhr der Aktionsradius räumlich und inhaltlich eine Ausdehnung.

Vom Vermouth zum Wermuthstropfen
Der ganze Erfolg zeigt sich in einem anderen Licht, wenn wir das Verhältnis zum Kanton BS betrachten. D.h. nicht, dass die Beziehungen schlecht wären, aber er agiert mehr duldend und reaktiv als kooperierend oder teilhabend. Zwar werden uns keine Hindernisse in den Weg gelegt, aber es fehlt eine proaktive Einbindung der Zwischennutzung in die eigenen Strategien. So sucht man vergeblich nach einer Position Zwischennutzung im Budget. Eigentlich war eine solche Haltung abzusehen, da nt*/Areal im Ratschlag Erlenmatt mit keinem Wort erwähnt war. Zwar liessen die Postulate «fördern und ermöglichen» der beiden Berichte Integrale Aufwertung Kleinbasel (IAK, 2002 und 2004, WU-L7-M1/2) neue Hoffnung keimen, doch auf der Förderebene hat sich bislang nichts bewegt.

Mehr Verantwortung des Kantons
Die fünf erfolgreichen Betriebsjahre haben auch Konsequenzen. So wird das noch immer private Gelände vom Publikum als öffentlicher Raum wahrgenommen und auch entsprechend genutzt. Längst nicht alle Besucher/innen sind auch Gäste der Betriebe. Unterhalt und Pflege bleiben aber am Verein k.e.i.m. hängen; die Kraft des Faktischen überholt die rechtlichen Konstellationen.

Andererseits zeigt das ehemalige Kantinengebäude inkl. Restaurant Erlkönig deutliche Alterserscheinungen. In einigen wenigen Jahren wird der Kanton vertragsgemäss Eigentümer dieser Baute - sowie der meisten heute zwischengenutzten Flächen. Eine frühzeitige Zusammenarbeit könnte dem Kanton später beträchtliche Kosten ersparen.

Im Sinne einer Fortsetzung der positiven Auswirkungen der Zwischennutzung auf die Stadt- und Quartierentwicklung wünschen wir uns bereits für die nahe Zukunft ein tatsächliches und aktives Engagement des Kantons, sei es beim Unterhalt der «Allmendflächen», sei es bei der Instandsetzung der Kantine oder bei der Entwicklung von Strategien und Projekten. Die Fertigstellung der Erlenmatt wird noch mehr als ein Jahrzehnt dauern, da sind Ideen und Erfahrung zur Transformation von Zwischenzeit und Zwischenraum gefragt. Generell postulieren wir, die Zwischennutzung sei als formeller Bestandteil in die Projektentwicklung Erlenmatt aufzunehmen. Finanzielle Probleme sollte es keine geben, denn für Freiraumprojekte steht bekanntlich der Mehrwertabgabefonds zur Verfügung.

Ein erstes Zeichen der Kursänderung könnte der Kanton ja setzen, indem er zum fünften Geburtstag des nt*/Areals die lang ersehnten Robidogs aufstellen würde.

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