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Kritik CLOUDRIDE + MASTERNOVA

Freitag 23.12.2005

von Urs Grether

Das Problem Durchschnitt

Nt-Areal/Im «Erlkönig» spielten «Cloudride» und «Masternova», punkto Spielfreude zwei unterschiedliche Bands.

BASEL. Was von den Oberbaselbieter Indie-Rockern «Cloudride» auf der Bühne der «Erlkönig»-Lounge zu erleben ist, überzeugt, begeistert – zumal in der ausgespielten Farbigkeit, im Mut zu verhaltenen Gangarten, klugen Staffelungen. Ausser dass man sich (noch) nicht an die grosse Ballade getraut hat, wobei mit der älteren Nummer «A Song For You» ein valabler Kandidat vorgelegen hätte (eine unverkennbare Leadstimme!).

--Freilich spielte «Cloudride» «nur» als Einheizer für die vier Elsässer von «Masternova», die derzeit auf dem Leiterchen Richtung internationaler «Karriere» schon ein Stück weiter vorangekommen sind: Ein eben erschienenes Albumdebut auf dem Basler Label «heliumrecords», schweizweit im «RecRec»-Vertrieb, in Frankreich bei der Firma «Liberty», die an den Konzern Virgin/EMI angeschlossen ist. Aus Deutschland liegen begeisterte CD-Kritiken vor, auf Deutschschweizer Alternativ-Radios erfreuen sich die neuen Songs einiger Beliebtheit.

--Klar, dass man mit «Do You Think It’s Real» beginnt, dem schnellsten, dem Titelsong des neuen Albums. «Masternova» spielt gekonnt, druckvoll, schmissig – all das, was der Kritiker in der Kategorie des gehobenen Durchschnitts an Adjektiven aufzubieten hat. Die Frage dabei bleibt: Wo ist das Aussergewöhnliche? Wo meldet sich ein Song, der über die handwerkliche Beherrschung hinaus mehr zu bieten hätte als die eine und andere interessante Wendung mehr?

--Wir sehen vorne drei singende Saitenmänner, dahinter den schwarzen Drummer; der Gesang fungiert nicht als derart zentrales Moment wie zuvor bei «Cloudride». Entsprechend statisch, wie hinter seinem Bass versteckt, agiert Stephen Fozard als Leadsänger: Fozards vokale Möglichkeiten sind deutlich beschränkter, im Vergleich zu Axel Rüst agiert er geradezu blass.

--Dazu sollte man wissen, dass früher auch Gitarrist Nicolas Beyer und Leadgitarrist Nick D’Arcy im Wechsel mit Fozard als Leadsänger aufgetreten sind. Als Songschreiber sind sie neben Fozard weiterhin aktiv. Die jetzige Situation bringt nur scheinbar «Übersichtlichkeit». Ist es Zufall, dass sich D’Arcy die längste Zeit als einziger zu den über’s Instrument hergespielten Energien bewegt?

--Genauso randständig kommt «Vega», eine Komposition von D’Arcy und Fozard, über die Rampe: fort vom Diktat eines rein «affirmativen» Poprocks, Prog-Rock-Knäuel, Metal- Auflösung. Oder die jazzigen Gitarren in D’Arcys ausgezeichnetem Song «Hold Me Down», den die Band im Konzert unterschlägt.

Link: www.cloudride.ch
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