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Transformation statt Domestizierung

Neue Aufgabe für Stadtplanung und Stadtentwicklung

Was ist Transformation?
Die Zwischennutzungen haben der Erlenmatt und den angrenzenden Quartieren eine Belebung mit vielfältigen Qualitäten gebracht und dadurch einen urbanen und ökonomischen Mehrwert erzeugt. Nun wird die Erlenmatt nach und nach realisiert und es gilt den gesamten Entstehungsprozess so zu gestalten, dass die belebenden Qualitäten nicht verloren gehen und die Erlenmatt als Quartier nicht wieder auf die Startposition zurückfällt. Die notwendige Entwicklung vom nt/areal zur Erlenmatt nennen wir Transformation.

Aufgeschobene Nutzungsentwicklung
Die Entwicklung eines Quartiers wie die Erlenmatt erfordert zwei komplementäre Prozesse: erstens die bauliche Entwicklung (inkl. Park), zweitens die Nutzungsentwicklung, die sicherstellt, dass die gebaute Substanz mit ihren Nutzer/innen auch im Sinne eines städtischen Quartiers funktioniert, so dass sich die Bevölkerung wohl fühlt, sich mit dem Ort identifizieren und damit auch ein gewisses Verantwortungsgefühl für ihren Raum entwickeln kann.

Ebenso soll Nutzungsentwicklung sicher stellen, dass zwischen den bestehenden Quartieren und der Erlenmatt eine Verschränkung entsteht, welche sowohl die bekannten Freiraumdefizite tatsächlich kompensiert als auch verhindert, dass sich die Erlenmatt zu einem abgeschlossenen Stadtteil entwickelt. Während für die bauliche Entwicklung der Erlenmatt genügend Grundlagen bestehen (Überbauungsplan, Budget für Infrastruktur und Park), fehlen für die Nutzungsentwicklung die notwendigen Ziele, Konzepte und finanziellen Ressourcen. Die Nutzungsentwicklung ergibt sich nicht von selbst. Ohne aktives Engagement entsteht kein lebendiges Quartier, das diesen Namen verdient, sondern lediglich eine isolierte Überbauung in der Stadt.

Vorteile (noch) nicht genutzt
Die Zwischennutzungen von nt/areal sind ein vorgezogener Teil der Nutzungsentwicklung. Gewisse urbane Qualitäten und Vernetzungen mit der Nachbarschaft waren schon vorhanden, als die ersten Mieter/innen 2009 in die Erlenmatt zogen. Die Zwischennutzungen etablierten sich ohne vorherige Zielvereinbarung mit Kanton und Eigentümerin, obschon der Verein k.e.i.m. schon 1999 eine Kooperation angeboten hatte.

Weder Kanton noch Eigentümerin haben eigene Vorstellungen entwickelt, welche Qualitäten das Quartier Erlenmatt einmal aufweisen soll. Die einzigen Ziele, die im   > Ratschlag der Regierung von 2003 zu finden sind, enthalten folgende Aussagen: «... hochwertiger neuer Wohnraum schaffen (Wohnungen mit mind. 4 Zimmern ...attraktives Wohnumfeld ...) –... Bereiche mit gemischter Nutzung – ... Flächen für Betriebe, die allenfalls aussiedeln möchten...» Mit solchen Umschreibungen liegen natürlich nur formale, aber keine qualitativen Ziele vor. Eine Erfolgskontrolle ist daher kaum möglich.

Transformation wirksam anpacken
Um die mit der Zwischennutzung erreichten Qualitäten nicht zu verlieren und stattdessen ein lebendiges und funktionsfähiges Quartier Erlenmatt zu entwickeln, wären folgende Schritte notwendig:

  • Definition von qualitativen und dynamischen Entwicklungszielen für das Areal (in Ergänzung der formellen und quantitativen Ziele des ersten Ratschlages, 2003)
  • Evaluation/Analyse der mit der Zwischennutzung erreichten Qualitäten und ihrer Bedeutung für Stadt und Quartier
  • Entwicklung Strategie und Konzept, um die Qualitäten - bezogen auf die Ziele der Arealentwicklung - in die Erlenmatt zu überführen (z.B. Welche baulichen Modifikationen und unterstützenden Massnahmen braucht es, damit der Erlenmattpark ähnliche Gebrauchsqualitäten aufweisen wird wie die heutigen Freiflächen entlang des Riehenrings? Oder: Was kann getan werden, damit ein gastronomisches Lokal auf der Erlenmatt ähnliche Beliebtheit erlangt, wie dies Restaurant und Bar des Erlkönigs erreicht haben? Oder: Welches administrative und organisatorische Umdenken ist notwendig, damit der heutige Sonntagsmarkt seine hervorragende Atmosphäre und die integrative Funktion nicht verlieren wird, wenn er dereinst auf dem neu gestalteten «Stadtterminal» stattfinden und von der kantonalen Verwaltung organisiert wird?
  • Vorschläge für ergänzende zielorientierte Nutzungsentwicklungen, welche durch die transformierten Zwischennutzungen noch nicht abgedeckt werden (z.B. Anbindung an die benachbarten Quartiere)
  • Flankierende Massnahmen zur Abschwächung der absehbaren Gentrification in der Umgebung
  • Budgetierung und Umsetzung

Verantwortlichkeit
Solche Schritte der Transformation einzuleiten und umzusetzen, ist Sache der Stakeholder, also all jener Akteure, die ein direktes Interesse an einer positiven Entwicklung der Erlenmatt haben, sei das die kantonale Verwaltung, die Politik, die Quartierorganisationen oder die Grundeigentümerin und die Projektentwickler. Die beiden Zwischennutzungsvereine k.e.i.m. und V.i.P. stehen auf Grund der langjährigen Erfahrung mit Nutzungsentwicklung gerne beratend zu Seite.

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