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Zwischennutzung als Planungsinstrument

Eine Einführung

Verwertungslücke
Eine Zwischennutzung ist eigentlich kein besonderes Phänomen. Sie bezeichnet lediglich die temporäre Nutzung eines Raumes, einer Liegenschaft in einer Übergangsphase. Zu ihrem Wesen gehört, dass die Art der Nutzung nicht mit der ursprünglichen Nutzung in Verbindung steht, auch nicht unbedingt mit dem bisherigen Nutzer. Meist handelt es sich um gewerblich/industrielle Komplexe, aber auch um Verwaltungs- oder Militärbauten, die vorübergehend für andere Zwecke gebraucht werden. Wesentlich für die Zwischennutzung ist die Tatsache, dass zu einem späteren Zeitpunkt die ursprüngliche Nutzung wieder aktiviert oder eine neue langfristige Nutzung realisiert wird.

Vom Lückenbüsser zum Mehrwertlieferanten
Zwischennutzungen galten bislang mehrheitlich als nebensächliche Begleiterscheinungen im Rahmen der Revitalisierung einer Brache. Deren Wesen und Wirkungen wurden weder thematisiert noch systematisch untersucht. Entstanden sind Zwischennutzungen meist spontan durch die Initiative von Mietinteressenten mit verschiedenster Motivation. Eigentümer haben solchen Avancen unter dem Aspekt der Erwirtschaftung von Erträgen oftmals unbedacht und ohne Weitsicht zugestimmt. Einige wenige Zwischennutzungen haben sich im Lauf der Zeit ein negatives Image eingehandelt, weil durch die einseitige Interpretation von Lücken in den Vereinbarungen oftmals unkontrollierte Zustände entstanden sind – Situationen also, wor die Zwischennutzung eine unerwünschte Eigendynamik entwickelt hat. Eher planlos entstanden, haben sich andere Zwischennutzungen jedoch als Belebung und Bereicherung für Standort und Kommune entpuppt und so einen gesellschaftlichen und ökonomischen Mehrwert geschaffen (Details siehe > Argumente).

Steuerung ersetzt Zufall
Nur in wenigen Fällen wurde dieser Effekt absichtlich herbeigeführt. Wird ein solcher Prozess aber bewusst gesteuert, können die positiven Effekte von Zwischennutzung systematisch verstärkt und negative Entwicklungen abgeschwächt werden. Deshalb kann Zwischennutzung als informelles Planungsinstrument für die Areal- und Stadtentwicklung aufgefasst und der formellen Planung (z.B. Überbauungplan) zur Seite gestellt werden.

Mit informeller Planung sind Verfahren gemeint, die handlungsorientiert sind. Wie bei Planungsinstrumenten üblich, erfordert auch die Zwischennutzung eine professionelle Steuerung, sowohl auf der Konzept- und Handlungs- als auch auf der Kommunikationsebene.

Erfolg durch flexible Nutzungsentwicklung
Damit eine Zwischennutzung den Standort beleben und aufwerten kann, ist die Planungsmethodik nicht allein auf das Bereitstellen von Bauplätzen auszurichten, sondern auch auf eine standort- und bedürfnisgerechte Nutzungsentwicklung, die sich am lokalen Potenzial orientiert.

Eine Zwischennutzung kann nur dann erfolgreich sein, wenn alle involvierten Parteien den temporären Charakter des Vorhabens akzeptieren und sich bewusst sind, dass es trotz der befristeten Dauer eine Flexibilität bezüglich bisheriger Positionen und Herangehensweisen erfordert.

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